Sonntag, 09. Dezember 2018
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Rauchmelder - Gängelung oder sinnvolle Vorschrift?

Immer wieder wird Kritik geübt, wenn der Gesetzgeber Vorschriften erlässt,die auf den ersten Blick "nur Kosten produzieren".
Von der Krümmung der standardisierten EU-Gurke bis zur Reifendruck-Kontrolle bei Neuwagen.
Die gesetzliche Verpflichtung, Rauchwarnmelder installieren zu müssen, wurde und wird bis heute auch kontrovers diskutiert.
Daher einige versachlichende Informationen aus Sicht Ihrer Feuerwehr.

Pflicht ist diese Regelung seit 01.01.2013 bei Neubauten, vorhandene Wohnungen sind bis zum 31.12.2017 nachzurüsten.
Die Bayerische Bauordnung stellt unmissverständlich fest:

  1. In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure,
    die zu Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. 
  2. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut oder angebrachtund betrieben werden, 
    dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird.
  3. Die Eigentümer vorhandener Wohnungen sind verpflichtet,
    jede Wohnung bis zum 31.Dezember 2017 entsprechend auszustatten.
  4. Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzern,
    es sei denn, der Eigentümer übernimmt diese Verpflichtung selbst.

WARUM sah sich der Gesetzgeber überhaupt genötigt, hier Vorgaben zu machen?

Ganz einfach:

Weil bei Wohnungsbränden fast nie Opfer durch Verbrennungenzu beklagen sind, sondern die Bewohner in der Regel durch giftigen Brandrauch zu Schaden kommen.
Es ist lange genug bekannt, dass bei Verbrennungsvorgängen in geschlossenen (Wohn-)Räumen viele chemische Verbindungen entstehen, die wir im Schlaf unweigerlich einatmen, die uns bewusstlos werden lassen und letztlich an einer rechtzeitigen Flucht hindern.

Empfehlenswerte Rauchmelder kosten beim Elektriker oder im Fachhandel zwischen 10 und 40 Euro einschließlich kompetenter Beratung.
Vermeintlich billige Sonderangebote vom Discounter oder aus dem Versandhandel können durch nervige Fehlalarme ebenso auffallen,
wie durch allzu häufigen (=teuren) Batteriewechsel. Die Kosten nach oben treiben natürlich

Funktionen, die nicht standardmäßig verbaut sind, z. B. die Signalweiterleitung per Funk.
Das aber ist immer dann von Vorteil, wenn in einer Wohnung Zimmer weit auseinander liegen und nachts fernab des Schlafzimmers Feuer ausbricht. Schlägt der Melder beispielsweise im Keller an, so dauert es bei sogenannten kaskadierenden Meldern nur wenige Sekunden, bis alle Melder in der Wohnung Alarm auslösen,
noch bevor der Rauch Schlafzimmer und Fluchtweg erreicht hat.

Dadurch wird natürlich immens Zeit für besonnenes Handeln gewonnen.

Nicht verschwiegen werden sollte allerdings, dass bei jedem Fehlalarm alle Melder in einer Wohnung wieder "zurückgestellt" werden müssen.
Aber der Gewinn an Sicherheit ist unbestreitbar enorm. Wer noch mehr Geld investierten möchte, kann sich eine kleine Meldeanlage zulegen, die im Ernstfall den Alarm an eine beliebige Telefonnummer weiterleitet - Sie sind also auch im Bilde, wenn Sie gerade nicht zu Hause sind.

Die Montage der Melder ist auch fürungeübte Heimwerker kein Hexenwerk:

Möglichst in der Mitte eines Raumes an der Decke mit mindestens 50 cm Abstand zur Wand bzw. hohen Schränken oder Balken.
Details sind den in der Regel mitgelieferten Bedienungsanleitungen zu entnehmen.
Immer wieder hören wir das Argument, die Rauchmelder würden Räume optisch verschandeln.
Das ist natürlich Ansichtssache - aber steht nicht Sicherheit IMMER weit über möglichen ästhetischen Gesichtspunkten?
Vorsicht bei Montage in der Küche, im Bad und in der Werkstatt.
Hier stoßen die normalen Rauchmelder an ihre Grenzen, weil sie naturgemäß nicht unterscheiden können, ob der Fernseher Feuer gefangen hat oder das Steak in der Pfanne "well done" ist.
Auch Dampf und Staub können Fehlalarme auslösen, so dass für solche Räume lieber auf Melder zurückgegriffen werden sollte, die auf einen ungewöhnlichen Anstieg von Temperaturen reagieren und nicht auf (Rauch-)Partikel.
Der beste Rauchmelder nützt übrigens nichts, wenn nicht regelmäßig die Funktion getestet wird, um erstens die Einsatzbereitschaft zu kontrollieren -aber auch, damit alle Bewohner den Klang des Melders kennen lernen, um dann im Ernstfall schnell reagieren zu können.

Einmal im Monat "Probealarm" ist daher empfehlenswert.

In den Einsatztagebüchern der Feuerwehr Altdorf finden sich immer wieder Beispiele dafür, dass Rauchmelder segensreich ihre Aufgabe erfüllt haben.

Zum Teil wurden Entstehungsbrände dank der Rauchmelder so früh entdeckt, dass Bewohner gerettet und massive Wohnhausbrände verhindert werden konnten.

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